SMI "Über"
Erinnerungen von Augenzeugen des Dorfes:
In der Schwed-Kolonie gab es viele "Wiegel"-Familien, die alle 10 bis 12 Kinder hatten. Die Familien hatten nicht viel Vermögen, aber alle waren gutaussehend und kräftig gebaut. Trotz der geringen Mitgift wurden Mädchen (Wiegel) bereitwillig in andere, wohlhabendere Familien eingeheiratet. Ihre Kinder wurden schön und gesund geboren.
Die Familie ihres Großvaters Wiegel Gottlieb lebte besonders arm. Gottlieb (Sohn) mochte ein Mädchen aus ihrem Dorf, aber ihre Eltern weigerten sich aus Armut, Gottlieb zu heiraten. Dann ging Gottlieb nach Amerika, um Geld zu verdienen. Zusammen mit seinem Freund (vielleicht war es D. Hertzog) arbeitete er in einer Ziegelei, bekam gutes Geld und schickte es seinen Eltern. Seine Mutter, "Moter Lieschen", prahlte gegenüber ihren Nachbarn, dass Gottlieb ihnen "Tolars" geschickt habe. Zwei Jahre später kehrte Gottlieb nach Russland zurück, nachdem er genug Geld für die Hochzeit verdient hatte. Die Eltern seiner Geliebten stimmten zu, ihre Tochter mit ihm zu verheiraten. Sie hatten vier Kinder: Alexander 1912, Gottlieb 1915, Emilia 1918 und Johannes 1921.
Gottlieb arbeitete als Agronom und starb 1925. Im Frühjahr bekam er bei der Feldarbeit nasse Füße, erkrankte an Halsschmerzen und starb an Erstickung.
Von Diana
Jesus zum Gruß.
Herzlich geliebtes Geschwister und Freunde.
Mein innigster Wunsch ist, dass euch diese wenigen Zeilen in gutem
Wohlsein antreffen, es wird euch wie ich glaube. Die Zeit ziemlich lang
geworden sein, ehe mein Versprechen an euch in Erfüllung gekommen. Bei
dieser Gelegenheit nun, woran es bis hierher gemangelt, sehe ich mich
verbunden, euch zu berichten, wie um mich steht. Meine erste Frau, mit
welcher ich 2 Söhne und 3 Töchter erzeuge, ist im Jahre 1770 gestorben,
die beiden Söhne sind ebenfalls in der Ewigkeit, die 3 Töchter sind
verheiratet. Zum andern mal habe ich mich verheiratet an unser Nachbar
Christian Grassmanns älteste Tochter, Maria Rosina, und mit derselben
bisher erzeugt 2 Söhne und 5 Töchter, wovon ebenfalls 1 Sohn und 1
Tochter gestorben. Der Schwiegervater Grassmann ist bereit 6 Jahr tot,
die Schwiegermutter lebt noch und ist wieder verheiratet, der Schwager
Christian und Hennierietta sind verheiratet. Was meinen Stand
anbetrifft, so lebe ich im Bauernstandes, und habe Gott sei Dank Äcker,
Wiesen Pferde, Kühe und andere Vieh so viel, ja mehr als ich bestreiten
kann, habe also noch nie über Mangel zu klagen Ursache gehabt. Kirch und
Schulen haben wir auch, und habe nach der Haupt Kirche ungefähr eine
Stunde zu fahren. Der Platz meiner Wohnung ist Sunonereffba - wohn weit
der Genommene Stadt Saratow, gen seit den Wolga ausström am großen
Karmann Fluss gelegen. Unsere Reise von Roßlau bis hierher auf den
Wohnplatz hat gedauert von März 1766 bis zum Juli 1767.
Die Wettern ist hier im Winter sehr kalt im Sommer wiederum sehr warm,
die Felder sind fruchtbar, und Lebensmittel in einem billigen Preise.
Was mein hinterlassenes Haus in Oranienbaum, sei euch geliebtes
Geschwister geschenkt, verkauftet das selbige und teilen das Geld unter
euch als einen Beweis meiner Brüderlichen Liebe, welche ich an noch
gegen euch geliebtes Geschwister noch habe. Übrigens grüße wie auch
mein' Weib und Kinder auch Vater und Mutter, wo sie anders noch leben
euch geliebte Brüder und Schwestern, Schwäger und Schwägerinnen,
Gevattern und sonst gute Freunde viele Tausendmal und empfehle euch in
die Obhut Gottes, der segne euch an Leib und Seel, er segne euren Aus
und Eingang von nun an bis in Ewigkeit,
lebet wohl, ich verbleibe euer Treuer und wohlmeinender Sohn, Bruder, Schwager und Gevatter und Freund bis in den Tod.
Andreas Rennefeld
Sunonerffba am 3-tenn Juli 1788.Schwed an der Wolga
Wenn ihr wider an mich schreibet, müsset ihr ein Kuvert oder Umschlag um
den Brief machen, die Adresse auf den Kobert aber an Herrn Georg
Heinrich Rieger, machen, abzugeben am H. H. Emmendörfer Gastgeber in der
Stad Ansbach in Franckfurt am Mein.
P. S. noch mahl bitte ich euch, daß ihr mir mit dieser Gelegenheit
wieder schreibet und es ja nicht versäumet, denn dieser Oben erwehnter
H. Rieger, ist ein Bevollmächtigter von unserer Höchster Obrigkeit hin
aus geschickt, und Er wohnet nur eine viertel Stunde von mir-
An David Reinefeld – Bürger Einwohner in Oranienbaum bei Dessau
*
ÜBER DIE ABWEISUNG (Ausweisung)Ich präsentiere Ihnen die Erinnerungen meiner Mutter an die Deportation der Dorfbewohner aus Schwed im Kanton Krasnojar der Wolgadeutschen Republik. Ich habe sie aus ihrer Perspektive niedergeschrieben.
Ich hoffe sehr, dass dieses Material durch Mitglieder unseres Forums ergänzt wird, deren Angehörige aus demselben Dorf deportiert wurden und die die schwere Zeit der Trennung von ihrer Heimat miterlebt haben.
Im September 1941, als die deutsche Bevölkerung aus der Wolgaregion deportiert wurde, war ich 13,5 Jahre alt. Ich erinnere mich vielleicht nicht mehr an vieles, was vor der Umsiedlung (Vertreibung) im Dorf geschah, aber ich werde versuchen, die wichtigsten Dinge, die sich in meine Kindheitserinnerung eingeprägt haben, wiederzugeben.
Wir wurden am 6. September 1941 aus dem Dorf Schwed deportiert. Niemand hatte uns das genaue Datum der Deportation vorher mitgeteilt, daher hatten die Schüler Anfang September noch drei Tage Unterricht. Ich war in der siebten Klasse der Dorfschule, und alle Schüler hatten sogar Schulbücher bekommen. Am Ende des dritten Schultages sagte uns die Lehrerin, wir sollten nicht mehr zur Schule kommen, da sie für unbestimmte Zeit geschlossen würde.
Ich hatte meine Schulbücher mit zur Deportation genommen, in der Hoffnung, dort wieder zur Schule gehen zu können, aber dazu war mir nie wieder möglich.
Obwohl meine Schulbücher identisch mit denen der Kinder in der russischen Schule waren, waren sie auf Deutsch.
Zweitens musste ich in der Schule Russisch sprechen, aber meine Kenntnisse reichten nicht aus, sodass ich große Schwierigkeiten hatte, mich mit den Russen zu verständigen. Drittens
, und das war das Wichtigste, hatte ich weder warme Schuhe noch Kleidung für die Schule.
Aber ich will meine Geschichte fortsetzen. In den folgenden Tagen, bis zur Deportation, half ich meiner Mutter im Haushalt. Wir trockneten Zwieback, sortierten unsere Sachen und suchten aus den wenigen Dingen, die wir hatten, das heraus, was wir später brauchen könnten. Unsere Familie bestand aus fünf Personen: meiner Mutter, Berta Iwanowna Kufeld, geboren 1898; sie war zum Zeitpunkt der Deportation 42 Jahre alt, und vier Kindern: meinen drei Brüdern Robert, 17 (geboren 1924), Artur, 15 (geboren 1926), Willibald, 3 (geboren 1938), und mir, geboren 1928. Wir durften pro Person 20 kg Gepäck und Lebensmittel für einen Monat mitnehmen.
Vor der Deportation erhielten die Dorfbewohner, die ein Haus und einen Haushalt besaßen, vom Gemeinderat Bescheinigungen, aus denen hervorging, welchen Besitz sie behalten durften. Meine Mutter beantragte keine solche Bescheinigung, da ihrer Familie bereits 1930 alles Eigentum enteignet worden war.
Wir hatten zwei Schweine auf dem Hof, die vor der Deportation geschlachtet wurden, und eine Kuh, die verhungerte, weil… Nach der Verhaftung meines Vaters wurde uns kein Futter mehr für das Vieh gegeben, und wir hatten kein Geld, um welches zu kaufen.
Meine Mutter, eine Abiturientin, die drei Sprachen sprach – Deutsch, Russisch und Französisch – und die Erlaubnis hatte, Grundschulkinder zu unterrichten und Nachhilfe zu geben, fand nach der Verhaftung meines Vaters keine Anstellung mehr als Lehrerin oder Kindergärtnerin. Man sagte ihr, die Frau eines Volksfeindes könne sowjetischen Kindern nichts Gutes beibringen. Meine Mutter ging auf eine Kolchose und arbeitete in den Obstgärten, die einst ihrem Vater und Großvater gehört hatten. Ihren Lohn erhielt sie vom "Kantor", dem Haus, in dem sie aufgewachsen war.
In der Nacht vor der Räumung schlief niemand im Dorf; in jedem Haus wurde gebraten, gebacken, gekocht – kurzum, Lebensmittel gehortet. Die Menschen schlachteten Hühner und Schweine, stellten eilig Würste her und bedeckten sie mit ausgelassenem Schmalz, damit die Lebensmittel unterwegs nicht verdarben.
Überall waren die Schreie von Frauen und Kindern zu hören.
Mamas Onkel, David Vigel, der nur zwei Jahre älter war als sie, arbeitete als Verkäufer im Dorfladen und hatte mehrere Tage lang Bargeld eingenommen. In den Tagen vor der Räumung verkaufte er fast alle Lebensmittel. Da noch einige Waren im Laden lagen, verriegelte er ihn und brachte ein großes Vorhängeschloss an. Den Schlüssel übergab er dem ranghöchsten NKWD-Offizier, der in unserem Dorf stationiert war. Anstatt seiner Familie beim Packen für die Reise zu helfen, fuhr David in die regionale Hauptstadt, das Dorf Krasny Jar, um die Einnahmen abzugeben. Die deutsche Bevölkerung in Krasny Jar war bereits geräumt worden; nur noch wenige russische Familien und NKWD-Wachen waren dort, und David gab ihnen den Erlös des Ladens. Wie sehr er das später bereute! Schließlich hatte ihn niemand dazu gezwungen; außerdem hatte ihn dort niemand erwartet, und man sah ihn an, als sei er verrückt. Er erinnerte sich noch lange an die Lebensmittel und die warme Kleidung, die er im Laden zurückgelassen hatte.
Am festgelegten Räumungstag, dem 6. September 1941, erhielt jede Familie einen Karren mit Fahrer. Die Menschen luden ihr wenige Hab und Gut, kleine Kinder und gebrechliche Alte auf die Karren, während die Übrigen zu Fuß gingen und das Dorf in Trauer zurückließen. Es regnete kalt im Herbst, und es schien, als weinte die Natur mit den Vertriebenen.
Ich erinnere mich nicht, dass unser Treck von paramilitärischen Wachen begleitet wurde, und auch nicht an den Weg nach Engels. Ich weiß nur noch, dass es ein Feldweg war, keine Autobahn.
Als der Zug das Dorf verließ, starrten alle auf die riesigen Getreidehaufen rund um die Mühle. Die Frauen jammerten noch lauter, verängstigte Kinder weinten, und selbst die Männer konnten ihre Tränen nicht zurückhalten. Die Getreideernte war in jenem Jahr gut ausgefallen, und die Kolchosbauern hatten ihren Lohn in Naturalien – Weizen – erhalten. Um ihr Hab und Gut für die Reise zu packen, brauchten sie mit Getreide gefüllte Leinensäcke; früher hatten die Dorfbewohner das Getreide zur Mühle gebracht und es einfach dort auf Haufen gekippt. Und nun war das geerntete Getreide nutzlos; es lag im Regen, draußen im Freien.
Vorbei an einem Melonenfeld hielt der gesamte Zug kurz an, und die Leute rannten in ihre Gärten, um Gemüse für die Reise zu ernten. Mein Bruder Artur brachte einen ganzen Eimer Tomaten mit.
Im Dorf Krasny Yar musste ich dringend auf die Toilette und rannte in eine Scheune am Straßenrand. Die Dorfbewohner waren kurz vor uns deportiert worden, und sie wirkte völlig verlassen. Der Stall war voll mit ungefütterten und tränkten Tieren: Eine Milchkuh mit geschwollenem Euter muhte schon vor Schmerzen; die Schweine konnten nicht mehr grunzen und sahen mich nur noch mitleidig an; ihre Nester waren voller Hühnereier. All das erfüllte mich, ein dreizehnjähriges Mädchen, mit Angst und Schrecken; ich erleichterte mich schnell und rannte aus dem Stall.
Noch am selben Abend erreichten wir, klatschnass, den Bahnhof in Engels. Dort trockneten wir uns ab und zogen saubere, trockene Kleidung an. Mutter holte eine Matratze und Decken aus einer Truhe und legte uns zum Schlafen auf den Boden.
Am nächsten Tag kamen bewaffnete Wachen, Viehwaggons wurden herangefahren, und das Verladen der Menschen begann.
Bericht von Diana /Swetlana https://forum.wolgadeutsche.net/viewtopic.php?p=58899#p58899
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"Heimatbuch" VON EMILIA PREGER https://forum.wolgadeutsche.net/viewtopic.php?t=1971&start=20
Am dritten Tag nach dem für uns schlimmsten Ukas des Obersten Sowjets konnten wir in den Zeitungen schwarz auf weiß lesen, daß die Deutschen an der Wolga alle auszusiedeln seien. Ich versuche, mich daran zu erinnern, wie es bei uns mit dieser "Aussiedlung" in der Praxis bestellt war.
Ich weiß noch, daß der Verkehr zwischen den Dörfern und Städten verboten war. Die Straßen wurden vom Militär überwacht. Bei Übertretung der Vorschriften drohten harte Strafen.
Ich weiß auch noch, daß man während der letzten Tage Menschen durch unser Dorf getrieben hatte. Wir waren erschüttert davon, daß sie so gut wie nichts bei sich hatten. Nur die Kinder und Greise saßen auf Pferdewagen, auf denen sich kleine Bündel mit Kleidung und Nahrung befanden. Das sollte eine Aussiedlung sein? Ich würde es doch lieber als Vertreibung bezeichnen.
Alle Menschen, die nicht gehbehindert waren, mußten den Weg bis zur Eisenbahnstation zu Fuß zurücklegen. Das waren von unserem Ort immerhin 35 Kilometer. Diese Menschen waren bereits 25 bis 30 Kilometer gegangen, denn sie kamen aus den sogenannten oberen Dörfern, aus Schaffhausen, Unterwalden, Zürich u.a. Die lange Kolonne wurde von Soldaten bewacht, so wie wir, die wir noch zu Hause blieben, auch.
Die Nachricht von der Aussiedlung hatte alle Deutschen wie der Blitz getroffen. Auch meinen Onkel David mit seiner neunköpfigen Familie, die kein Mehl mehr hatte. Kein Mehl aber bedeutete kein Brot, denn in den Läden gab es kein Brot zu kaufen. Jede Familie buk sich ihr Brot selbst sofern sie Mehl hatte. Weizen gab es 1941 ja genug, denn die Ernte war schon eingebracht worden, der Staatsplan erfüllt, und die Kolchosbauern hatten einen großen Teil ihres Lohnes bereits in Form von Naturalien erhalten.
Man konnte aber den Weizen nicht mahlen, denn unser Dorf hatte keine Mühle und die Fahrt in ein Nachbardorf mit Mühle war offiziell verboten. Onkel David hatte nur nach großer Mühe erreicht, daß er nach Schwed fahren durfte, wo eine Mühle gab. Bei Tagesanbruch fuhr er los, und noch am späten Nachmittag wartete die ganze Verwandtschaft verzweifelt auf seine Rückkehr. Mit jeder Stunde konnte ja auch die Aussiedlung unseres Dorfes beginnen!
Am späten Abend wollte Tante Dorothea selbst auf die Suche nach ihrem Mann gehen Wir ließen das nicht zu, sondern beschlossen, dass sich Onkel Davids Tochter Dortje und ich auf die Suche nach dem "verlorenen" Onkel machen sollten. Wir waren beide 17 Jahre alt und machten uns auf den Weg. Ohne jegliche Erlaubnis. Wir wußten nur zu gut, daß es keine Erlaubnis gab und fragten deshalb erst gar nicht. Wir wußten aber auch, daß uns unterwegs allerhand passieren könnte, denn es war Krieg und die Aunome Republik der Wolgadeutschen gehörtesicherlich zu einer der "besonderen" Zonen der UdSSR. Darum schlichen wir uns wie Diebe durch unser eigenes Dorf. Unser Schuhzeug trugen wir, um barfüßig leiser vorwärtszukommen. Glücklicherweise schien uns der Mond freundlich, als wolle er uns den gefährlichen Weg leuchten. Wir gingen nach Möglichkeit auf Schattenseite der Straße, um ja nicht aufzufallen und hielten in der Nähe vertrauter Häuser, um zu horchen, zu beobachten, ob uns niemand beobachtete. Das Dorf schien schon ausgestorben zu sein. Nur hie und da hörte man das schwere Atmen satter Kühe, die gemütlich ihr Futter hinter den Gartenzäunen wiederkäuten. Dann lag das Dorf hinter uns und noch vielleicht drei- bis vierhundert Meter bis zum Wald vor uns. Der Wald zog sich dem Flüßchen entlang, den wir überqueren mußten, um nach Schwed zu kommen. Dortje und ich hielten im Schatten des letzten Hauses an. Wir lauschten: nichts Verdächtiges. Nur aus dem Gebäude des Dorfsowjets klang noch lustige Musik zu uns herüber. Das waren die Soldaten. Sollten sie uns doch sehen, dann wollten wir ihnen die ganze Wahrheit sagen. Es gibt überall gute Menschen.
Wir mußten vorwärts und beschlossen, die offene Stelle auf gut Glück zu überwinden und erreichten auch wohlbehalten den Wald. Der empfing uns mit einem leisen Säuseln seiner Blätter, in das sich mitunter ein Getöse und Lärm aus weiter Ferne mischte, das sich furchterregend anhörte Dortje wollte umkehren, aber ich erklärte ihr, daß das unmöglich sei, ehe wir ihrem Vater nicht das Essen übergeben hätten und wüßten, daß er außer Gefahr sei. Das wirkte, und wir setzten unseren Weg fort.
Je näher wir dem Nachbardorf kamen, desto mehr stieg der Lärm an. Wir hörten das Brüllen von Kühen und Hundegebell, und fortwährend war lautes Getöse zu vernehmen, als schlage jemand mit einem Riesenhammer gegen Hauswände, ein Geräusch, dem wir nichts zuordnen konnten.
Endlich erreichten wir das hohe Flußufer, hinter dem das Dorf begann. Nirgendwo war Licht zu sehen, nur hie und da blinkte Mondlicht in einem Fenster. Der Lärm war jetzt so laut geworden, daß wir befürchteten, uns könnten die Trommelfelle platzen. Und wir sahen jetzt auch, woher das Dröhnen rührte: An manchen Häusern waren Türen, Tore und Fensterläden nicht verschlossen und wurden vom Wind auf und zugeschlagen, was in der Nacht in den leeren Gebäuden wie Kanonendonner widerhallte. Das Dorf war leergeräumt, die Menschen verschleppt, das Vieh nicht versorgt. Offenbar hatte das Vieh unsere Ankunft gespürt und diesen Lärm verursacht. Doch bei allem Getöse und Gebrüll konnte man in der Ferne das Rattern eines Motors vernehmen.Das konnte die Mühle sein. Wir gingen in die Richtung, aus der das Motorengeräusch kam, wieder wie Gespenster im Schatten schleichend. Plötzlich sahen wir für einige Sekunden eine Menschengestalt, die geduckt die Straße überquerte. Wir hatten uns hinter den Bäumen versteckt, die längs der Gehsteige angepflanzt waren. Da - eine zweite Gestalt, die sich ebenfalls wie ein Dieb bewegte. Die beiden besprachen etwas im Flüsterton und näherten sich uns daraufhin mit vorsichtigen Schritten. Beinahe hätten wir vor Freude aufgeschrien der eine war Onkel David, der andere ein Fremder. Sie hatten heute noch nichts gegessen und wollten deshalb nach Hause zurück und Bescheid über die Verhältnisse geben. Wie sie sich freuten, daß wir ihnen diesen Weg erspart hatten! Sie rieten uns, den Rückweg durch den Grund längs des Flusses zu wählen, den sie wohlüberlegt ausgewählt hatten. Damit kehrten sie wieder zur Mühle zurück.
Ich hatte inzwischen neue Pläne geschmiedet: In Schwed wohnten alle Verwandten meiner Großmutter mütterlicherseits. Hier in der Wasserreihe, wie man die Straße längs des Karaman nannte, wohnte Tante Sofia, eine Cousine meiner Mutter. Das lag nicht weit von dem Weg, den wir gehen sollten. Ich wollte nachsehen, ob sie schon fort seien oder sich unter den neun Familien befänden, die wegen nicht ausreichender Transportmöglichkeiten zurückgeblieben waren.
Dortje wollte jedoch so schnell wie möglich nach Hausse. Ihre Nerven wollten den Druck nicht mehr aushalten. Auch mir standen schon längst die Haare zu Berge, aber ich hielt es für meine Pflicht, nach meinen Verwandten Ausschau zu halten.
Beim Haus meiner Tante angekommen, fanden wir die Tür und das Hoftor verschlossen vor. Das einzige, was wir hörten, war das leise Winseln ihres Hundes Reja. Als ich leise rief: ,,Reja, bist du allein?" heulte die Hündin herzzerreißend in den Himmel hinein. Das Herzeleid des Tieres war offenbar zu groß, als daß es sich über unsere Ankunft hätte freuen können. Die Hausherren waren demnach nicht mehr da. Was wir auch versuchten, wir konnten die Hündin nicht beruhigen. Schließlich weinten Dortje und ich und setzten wie Blinde unseren Weg fort.
Das Brüllen, Grunzen und Blöken hatte in der Zwischenzeit nicht nachgelassen. Die Kühe waren nicht gemolken, die Schweine nicht gefüttert, und sicherlich gab es auch noch andere Gründe, welche die Tiere in der Nacht keine Ruhe finden ließen.
Wir kamen vor Tagesanbruch auf großen Umwegen zu Hause an. Alle waren in Aufregung, weil wir so lange ausgeblieben waren. Obwohl wir todmüde zu Hause eingetroffen waren, konnten wir kein Auge schließen. Alles klang in den Ohren weiter, und die Schreckensbilder wurden wir nicht los. Und noch heute, nach über 50 Jahren, sehe und höre ich alles so, wie es damals war.
Und ich kann mir gut vorstellen, daß es in unserem Dorf nach der Vertreibung am 12. September für das Vieh genauso schlimm wurde.
Noch schwerer aber hatten es die vertriebenen Menschen, die mit leeren Händen in die obdachlose Fremde verschleppt wurden. Viele von ihnen starben schon bald. Nicht vergessen kann ich, daß wir uns wie Diebe in unserem Heimatdorf verstecken mußten. Und wie groß ist die Greueltat, uns und mit uns 1,5 Millionen Rußlanddeutsche der Spionage zu bezichtigen und zu verschleppen! Junge und Alte, Parteimitglieder und Parteilose, Gläubige und Ungläubige alle bekamen sie den gleichen Stempel.
Призыв немецких крестьян из Поволжского села Швед, опубликованный в газете "Die Wahrheit" от 17 июля 1941.
Свергните фашизм! Смерть Гитлеру!
Призыв советских немцев к германскому крестьянству.
Колхозники села Швед, Красноярского кантона республики Немцев Поволжья обратились с воззванием к немецким крестьянам.
В своём воззвании они пишут:
Мы, колхозники Поволжской немецкой республики, создали себе счастливую и радостную жизнь. Мы не обременены фашистскими налогами, нам не знакома продажа крестьянских усадеб на публичных торгах, у нас отсутствует бремя нужды. Земля (6125 га), которую занимает коллективное хозяйство села Швед, дана нам советским правительством, в безвозмездное и бессрочное использование. Владение землёй дано нам навечно и это подтверждено законодательными документами.
Грабительская война, развязанная Гитлером, уже уничтожила сотни тысяч немецких крестьян. И теперь обезумевший фашизм гонит миллионы новых немецких крестьян на войну против Советской России.
Весь советский народ, в том числе и мы, немцы республики Поволжья, поднялись для защиты нашей Родины, нашей жизни, нашей свободы. Мы, следуя призывам товарища Сталина, бьем фашизм не только на фронте, но и помогаем уничтожить его, своей работой, в глубоком тылу. Мы призываем Вас, немецких крестьян, уничтожить фашизм, как самого злого врага человечества.
Гитлер заставляет Вас взять оружие. Поверните это оружие против фашистских угнетателей, которые поработили Германию и предают крестьян смерти.Переходите на сторону советских войск, как это сделали уже многие из вас.Свергните фашизм!Завоюйте себе радостную и состоятельную жизнь! Смерть Гитлеру!
Подписи:
Heinrich Hart, Hedwig Belmer (Weimer), Dorothee Degraf, Elena Baumgärten, Sophie Zwinger, Katharine Horre (Gorre), Christina Huber, Alexander Günter, Sophia Degraf, Johannes Eirich и многие другие.
08.07.1941 г Газета Большевик о Враге Фашизм Колхозники Ф.Боргард и Д. Альтергот.
Большевик, № 183, .... от 6 августа -21.08.1941 г.
Mein Großvater – Sonderumsiedler aus dem Wolga-Gebiet
Mein Opa, Andrej Davidowitsch Christ, wurde am 16. Juni 1929 in der Ortschaft Schwed, Bezirk Krasnojar, Gebiet Saratow, geboren. Er wurde 1941, im Alter von 12 Jahren, zusammen mit den anderen Dorfbewohnern und der eigenen Familie nach Sibirien verschleppt. Auf die weite Reise schickten sie den Vater, David Friedrichowitsch, seine Mutter, Emilia (Emilie) Genrichowna (Heinrichowna), die Brüder David, Friedrich und Gottlieb sowie die Schwestern Amalia (Amalie) und Emma.
Grundlage für die Vertreibung war der Ukas des Präsidiums des Obersten Sowjet der UdSSR vom 28. August 1941 über die Liquidierung der autonomen Republik der Wolga-Deutschen. Darin hieß es: "Aus zuverlässigen, von den Militärbehörden übermittelten Informationen, wissen wir, daß sich unter der in den Wolga-Bezirken lebenden deutschen Bevölkerung tausende und abertausende Diversanten und Spione befinden, die auf ein Signal aus Deutschland Sprengungen durchführen sollen...
Zur Verhinderung ernsthaften Blutvergießens hielt es das Präsidium des Obersten Sowjet der UdSSR für erforderlich, die gesamte in den Wolga-Regionen lebende deutsche Bevölkerung umzusiedeln...". Amalia Genrichowna Papst, Einwohnerin von Bolschoj Uluj, wurde auch in der Ortschaft Schwed geboren. Sie wurde ebenfalls in ihrer Kindheit, im Jahre 1941, gemeinsam mit meinem Großvater aus der Autonomen Republik der Wolga-Deutschen nach Sibirien verschleppt. Nach ihren Erinnerungen wurden zunächst in allen Ortschaften militärische Einheiten stationiert. Zur Erholung – wie es angeblich hieß. Aber die Menschen hatten schon begriffen: hier ging etwas Schreckliches vor sich. Die Soldaten begannen ihnen zuzuflüstern: " Sie schicken euch fort von hier; haltet euch bereit". Die Leute glaubten das und – glaubten es auch wieder nicht. Und als dann genau bekannt wurde, daß die gesamte Bevölkerung verschickt werden sollte, da kam eine furchtbare Panik auf. Viele Kinder weinten´, weil sie nicht verstanden, was da vor sich ging, und weshalb alle sich eilig fertig-machten. Zum Packen standen in der Regel nicht mehr als 20 Minuten zur Verfügung, so daß der größte Teil des Besitzes im Stich gelassen werden mußte. Man erlaubte ihnen nur, ein paar Wertsachen sowie Lebensmittel für die Fahrt mitzunehmen. Hastig kleideten die Mütter ihre Kinder an, wobei sie ihnen soviel warme Kleidung wie nur möglich übereinander anzogen.
Der leidvolle Weg nach Sibirien
Am Bahnhof der Stadt Engels nahm die düstere Prozession den ganzen Weg ein, der zu den Bahngleisen führte.
Sie saßen unter freiem Himmel, es begann zu regnen, zu blitzen und zu donnern. Ein Mann kam heran, der irgendetwas auf Russisch sagte, aber niemand verstand ihn. Wahrscheinlich gab er das Kommando für die Verladung. Am 4. September 1941 wurden sie alle auf Viehwaggons verfrachtet. Die Waggons waren völlig überfüllt, Essen und Trinken waren nur in vollkommen unzureichender Menge vorhanden. Die Reise, die gewöhnlich nur ein paar Tage dauerte, zog sich über drei Wochen hin. Viele starben unterwegs and Hunger und Durst, andere ertrugen dn strengen sibirischen Winter nicht. Am 20. September 1941 erreichten sie Atschinsk. Die Christs und andere Familien wurden ausgeladen und anschließend mit Pferden in das Dorf Baschenowka gebracht.
In der ersten Zeit, nachdem sie gerade erst am bestimmungsort eingetroffen waren, litten sie Hunger,und die Kinder mußtenins Dorf gehen und um Almosen betteln. Die Ortsansässigen gegegneten den Umsiedlern mit gespannter Erwartung. Viele fügten ihnen Beleidigungen zu, erniedrigten sie und sagten, dass die Ankömmlinge Volksfeinde seien. Aber es gab auch Leute, die ihnen Verständnis entgegenbrachten und Mitleid zeigten.
Von Baschenowka nach Bolschoj Uluj
In Baschenowka lebte mein Großvater nicht lange. Nach einiger Zeit zog er nach Bolschoj Uluj um. Dort beendete er die 6-Klassen-Oberschule. Am 23. Dezember 1963 trat er in die landwirtschaftstechnische Berufsschule Nr. 7 ein, die er am 26. Dezember 1964 mit den Noten "4" und "5" (entspricht im deutschen Schulsystem den Noten "1" und "2"; Anm. d. Übers.) abschloß. Er lebte mit seiner Frau, meiner Großmutter Anna in der Bolnichnaja-Straße in einem Haus, das sie mit ihren eigenen Händen erbaut hatten. Hier lebten auch ihre Kinder – Walentina, Andrej und mein Vater Wladimir.
Erinnerungen an den Großvater
Der Einwohner der Bezirksstadt und ehemalige Chef der Bolscheulujsker Dorfverwaltung – Alexander Christianowitsch Gorr, in dessen Familie der Bruder des Großvaters Fjodor und dessen Schwester Emma einige Zeit lebten, kannte meinen Großvater gut.
Sie arbeiteten zusammen mit ihm im Verband "Agrar-Industrie-Chemie". Nach den Worten A.C. Gorrs "war Andrej Davidowitsch Christ auf den Traktoren-Modellen T-100 und T-130 tätig. Selbst bei Frost arbeitete er stets ohne Handschuhe. Er war fleißig, nicht launisch und immer ausgeglichen. Er kannte sich in seinem Arbeitsbereich gut aus und wußte, was er zu tun hatte".
Erna Gottfriedowna Jekimowa hatte an der Wolga mit meinem Großvater in ein – und derselben Straße gewohnt, zwei Häuser weiter. Und ebenso wie er war auch sie als Kind mit ihrer Familie nach Sibirien zwangsumgesiedelt worden – in den Bolschulujsker Kreis, in das Dorf Nowonikolsk. Auch sie äußerte sich mit großem Respekt über meinen Opa und Oma Anna, an die ich mich nicht erinnern kann. E.G. Jekimowa meint, dass Großvater und seine Familie in jener schweren Zeit nicht nur "überlebt" haben, sondern es auch verstanden, ihre Kultur und ihre menschliche Würde zu bewahren.
Nach ihren Worten war Opa Andrej arbeitsam und sorgte für seine Familie, seine Kinder. Und von Oma Anna weiß sie noch, dass sie herrliche Handarbeiten machen konnte und es verstand, die Kinder großzuziehen.Sie wurde von den anderen Dorfbewohnern sehr geschätzt. Aus einem Brief meiner Großmutter Emma Davidowna Jäger (Christ), die in Deutschland in der Stadt Lachnau-Atzbach wohnt, habe ich erfahren, dass der Großvater in seiner Kindheit in Baschenowka Kühe hütete und von früh bis spät in der Kolchose arbeitete. Emma Davidowna erinnert sich noch an die Einwohner von Baschenowka. Eine besonders gute Meinung hat sie von A.A. Sidorowaja.
Meine Tante Walja Asarapina (Christ), Großvaters älteste Tochter, lebt in der Stadt Omsk. In ihrem Brief erzählt sie von meinem Opa und seiner Kindheit. Sie schreibt: "Großvaters Familie traf vollzählig an der Station Atschinsk ein. Dort wurden sie sowie ein paar andere deutsche Familien zum weiteren Verbleib dem Dorf Baschenowka zugeteilt. Andrej Davidowitsch erinnerte sich noch gut an dieses Dorf. Er sagte, dass die Dorfbewohner die Umsiedler bemitleideten. Und in er ersten Zeit versuchten sie zu helfen, so gut es jeder eben konnte, obwohl sie selbst in rmut lebten". Die Familie Christ hatte Glück. Sie erhielt als eine der ersten auf Anfrage eine Kuh zugesprochen.. (Im Wolgagebiet hatten sie ihre Vieh, Haus, Inventar, Lebensmittel-Vorräte zurückgelassen: Mehl, Honig und so weiter, und dafür hatte man ihnen eine Quittung ausgehändigt, in der der beschlagnahmte Besitz aufglistet war).
Er arbeitete von klein an
Um zu überleben, der Mutter irgendwie zu helfen und die kleinen Kinder zu retten, fing Andrej Christ im Alter von 12 Jahren an zu arbeiten und den Frauen behilflich zu sein, denn alle Männer waren an der Front.Er hackte Brennholz, holte Wasser, sorgte anschließend mit Kolchospferden für die Bereitstellung von Brennholz für die anderen Dorfbewohner. Andrej war noch so jung; trotzdem arbeitete er bereits im Alter von vierzehn Jahren in Bolschoj Uluj als Hammerschmied in der Schmiede.
Tante Walja schreibt, dass der Großvater zuvor ein halbes Jahr lang im Gefängnis der Stadt Krasnojarsk saß.Man hatte ihn verdächtigt, Getreidekörner vom Feld gestohlen zu haben. Dort wäre er beinahe aufgrund von Unterernährung umgekommen, aber der Gefängnisdirektor hatte Mitleid mit ihm und schickte ihn zum Arbeiten in die Mühle. Dort aß er Mehl, das er mit Wassr hinunterspülte – und das rettete ihn vor dem Tod. Bald darauf wurde der Großvater wieder in die Freiheit entlassen, weil man ihm kein Verbrechen hatte nachweisen können.
Als ich diese Zeilen aus dem Brief las, da dankte ich Gott, dass er meinem damals vierzehnjährigen Opa vor dem wahren Tod rettete. Denn bereits ab 1935 konnten alle Strafmaßnahmen, darunter auch der Tod durch Erschießen, sogar auf Personen angewendet werden, die das 12. Lebensjahr vollendet hatten. Und 1943 war der Großvaterdoch schon 14.
Mein Opa, Andrej Davidowitsch Christ, war ein standhafter, widerstandsfähiger Mensch. Ich halte ihn, den einfachen Arbeiter, für einen Helden. Er hat ein schweres Leben durchgemacht, dabei aber niemals seine menschliche Würde verloren. Er war ein angesehener Mann und besaß Ehrenurkunden und Dankesschreiben aufgrund seiner guten und redlichen Arbeit.
1998 fuhr er zu Bruder und Schwester nach Deutschland, wo er 2001 verstarb. Über sein Todesdatum gibt eine zweisprachige Bescheinigung Auskunft – Deutsch und Russisch. Daraus kann man ableiten, dass der Großvater bis an sein Lebensende sowohl die deutsche als auch die russische Staatsangehörigkeit besaß. Im August 2006 werden es 65 Jahre, seit die Familie meinesGroßvaters, ebenso wie auch andere Deutsche, gewaltsam aus dem Wolga-Gebiet verschleppt und in Sibirien zwangsangesiedelt wurden. In unserem Bezirk wohnen nicht wenige Menschen, die diese Tragödie miterleben mußten. Und ich denke, dass man in unserem zukünftigen Bezirksmuseum eine deutsche Kulturgesellschaft schaffen, Zusammenkünfte organisieren und Dokumentenmaterial über Zwangsumsiedler sammeln kann. Die Nachfahren der Repressionsopfer könnten neue, früher unbekannte Seiten in der Geschichte des Bezirks öffnen.
Jewgenij Christ,Schüler der 11. Klasse an der Bolscheulujsker Oberschule,Mitglied der heimatkundlichen Vereinigung im Haus der Kinderkultur
Zeitung "Westi" ("Nachrichten"), 04.03.2006
Angaben über die Familie Kufeldt

Sehr geehrte Damen und Herren!
Vielen Dank allen Mitarbeitern der "Memorial"-Gesellschaft, und den Schöpfern der Webseite ein zweifaches Dankeschön für Ihre große, mühselige und unschätzbar wertvolle Arbeit zur Wiederherstellung der Namenslisten repressierter Menschen. Es war sehr schmerzlich, all diese Seiten zu lesen. Aber ganz besonders das Martyrolog mit der Auflistung ganzer Familien. Man erinnerte sich bereits halb in Vergessenheit geratener Verwandten. Danke.
In der Rubrik Martyrolog fand ich eine Fußnote über meinen Onkel (ich glaube zumindest, daß es darin um ich geht): Arthur Arestowitsch Kufeld, richtig: Arthur Ernstowitsch Kufeld oder Artur (Sohn von Ernst) Kufeld, geboren am 11.09.1926. Geboren in der Siedlung Krasnojar, Kanton Marxstadt, ASSR der Wolgadeutschen, Deutscher, 1941 in das Dorf Nasarowo (Arefewsker Dorfsowjet), Bezirk Biriljussy, Region Krasnojarsk, deportiert. Am 22.11.1942 zusammen mit seinem Kusin David Davidowitsch Wigel in die Trudarmee nach Atschinsk mobilisiert. Arbeitete beim Bauprojekt Tscheljabinsk-40. 1957 aus der Zwangsarbeit entlassen. Lebte bis 1995 in der Stadt Alma-Ata, Kasachstan. Derzeit wohnt er in Deutschland.
Außer ihm wurden in das Dorf Nasarowo verschleppt:
seine Mutter: Berta Iwanowna Kufeld, geb. am 23.10.1898, Deutsche, geboren in Schwed, ASSR der Wolgadeutschen; mußte aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht zur Arbeitsarmee. Befand sich bis 1956 unter der Sonderkommandantur des Bezirks Biriljussy, Region Krasnojarsk. Zog im Dezember1956 nach Kasachstan, Gebiet Alma-Ata, Talgarsker Bezirk um. Starb am 25.10.1973.
Sein älterer Bruder: Robert Ernstowitsch Kufeld, geboren am 10.07.1924, Deutscher. Geboren in der Siedlung Krasnojar, Kanton Marxstadt, ASSR der Wolgadeutschen. 1941 wurde er ins Dorf Nasarowa (Arefewsker Dorfsowjet), Bezirk Biriljussy, Region Krasnojarsk, deportiert. Im Januar 1942 wurde er, zusammen mit seinem Onkel David Kasporowitsch Wi(e)gel, in die Trudarmee nach Atschinsk mobilisiert. War beim Bäumefällen im ALtai-Gebiet. Jelejsker Bezirk, tätig. 1943 aufgrund einer Ruhr-Erkrankung von der Zwangsarbeit freigestellt. Nach seiner Genesung wurde erneut in die Arbeitsarmee eingezogen und kam zur Holzflößerei in die Stadt Kansk. Bis 1956 befand er sich unter der Sonderkommandantur des Bezirks Biriljussy, Region Krasnojarsk. Im Dezember 1956 zog er mit seiner Ehefrau Soja (Mädchenname Ignatowa) nach Kasachstan, ins Gebiet Alma-Ata, Talgarsker Bezirk um. Er starb am 28.09.1981,
Und seine Schwester Nina Ernstowna Kufeld, geboren am 15.05.1928, Deutsche. Geboren in der Siedlung Krasnojar, Kanton Marxstadt, ASSR der Wolgadeutschen. 1941 ins Dorf Nasarowo (Arefewsker Dorfsowjet), Bezirk Biriljussy, Region Krasnojarsk, deportiert. Bis zum Jahr 1953 befand sie sich unter der Sonderkommandantur des Bezirks Biriljussy, Region Krasnojarsk. Aufgrund ihrer Eheschließung mit Boris Michailowitsch Lalakow, einem Russen, aus dem Melderegister ausgetragen. Im Dezember 1956 mit Mann und zwei Kindern Umzug nach Kasachstan, Gebiet Alma-Ata, Talgarsker Bezirk. Seit 1999 lebt sie mit ihrer Tochter in Deutschland. Ferner habe ich noch eine große Bitte an Sie: falls Sie eventuell noch weitere Informationen oder Kontakt zu irgendwelchen Nachfahren haben, benachrichtigen sie mich bitte über:
Aleksander Karlowitsch Kufeld, geboren am 25.09.1938; es ist sehr wahrscheinlich, daß sein Vater Karl Karlowitsch und mein Urgroßvater Iwan Karlowitsch Brüder waren. Iwan Karlowitsch hatte einen leiblichen Bruder, er lebte in der Stadt Saratow in der Deutschen Straße, besaß eine Apotheke im ersten Stock eines zweigeschossigen Hauses, wo er als Pharmazeut tätig war. In der ersten Etage wohnte auch seine Schwester Emilia (Amalia) Karlowna Kufeld.
Elisaweta Genrichowna Kufeld, geboren 1909; sowohl Vatersname als auch Geburtsjahr weisen darauf hin, daß sie möglicherweise die jüngere Schwestemeines
Großvaters Ernst Genrichowitsch Kufeld ist.
Hochachtungsvoll Swetlana Werbnjak
https://memorial.krsk.ru/deu/Dokument/Memuar/Kufeldt.htm
Aufbewahrt in der Personalakte
Kürzlich erhielt Andrej Davidowitsch Christ, Einwohner der Bezirksstadt, von der Verwaltung für innere Angelegenheiten der Regionsverwaltung die Bescheinigung über die Rehabilitation seines Vaters. Der Text war standardmäßig aufgesetzt, und auch das Formular selbst war ein Standardvordruck. Darin hieß es, dass David Friedrichowitsch Christ, geb. 1900, wohnhaft in der Ortschaft Schwed, Bezirk Krasnojar, Gebiet Saratow, im September 1941 von den NKWD-Organen ausgesiedelt wurde. Es folgt die nicht wenige stereotype Begründung für die Anwendung der Repressionsmaßnahmen – die Ukase des Präsidiums des Obersten Sowjets vom 28. August 1941 und 26. November 1941. Neu ist lediglich eines: jetzt taucht in der Bescheinigung der Begriff "aufgrund nationaler Merkmale" auf. Und das bedeutet, dass absolut alle Deutschen, die im Wolgagebiet lebten, ausgesiedelt wurden, unabhängig von Alter, Geschlecht, Glaubensbekenntnis und sogar Parteizugehörigkeit. Das Elend ging an niemandem vorbei, einschließlich kleinen Kindern und schwachen, kraftlosen Alten.
Es sieht so aus, als ob David Friedrichowitschs persönliche Aktemit der Nummer 24262 bis heute im Archiv der regionalen Verwaltung für Inneres aufbewahrt wird, und zwar ungeachtet der Tatsache, dass er posthum rehabilitiert wurde. Und darin befand sich, zusammen mit anderen Dokumenten, ein Foto, das man nun dem Sohn zurückgegeben hat. Dies war auch der Anlaß für das ausführliche Gespräch mit Andrej Davidowitsch.
Die Familie Christ war, wie viele andere Wolgadeutsche auch, sehr kinderreich. Vater David Friedrichowitsch und Mutter Emilia (Emilie) Genrichowna zogen sechs Kindchen groß – David, Amalie (Amalia), Genrich (Heinrich – er ist derjenige, der heute Andrej heißt), Gottlieb, Emma und Friedrich. Alle acht Familienmitglieder wurden, zusammen mit anderen Bewohnern ihres Dorfes, auf einen Zug verfrachtet und nach Sibirien geschickt. Der Zug mit den unfreiwilligen Passagieren, bewacht von Begleitsoldaten, ratterte über die Schienen, und jedesmal, wenn sie an einen großen Bahnhof kamen, wurden ein paar Waggons abgekuppelt. Die Familie Christ mußte in Atschinsk aussteigen. Und dann kamen sie in das Dorf Baschenowka.
Die fleißigen Männer und jungen Burschen, aber auch einige Frauen, wurden bald darauf zum Arbeitseinsatz geholt. David Friedrichowitsch geriet in die Stadt Kirow und arbeitete dort von Januar 1942 bis Januar 1944. Der älteste Sohn David starb 1943 aufgrund der alle Kräfte übersteigenden Arbeit und einer Erkrankung.
Nach dem Ende des Krieges keimte eine gewisse Hoffnung auf, dass man den Deutschen vielleicht erlauben würde in ihre Heimat, das Wolgagebiet, zurückzukehren. Aber ihre Hoffnung erfüllte sich nicht. Und die Familie Christ ereilte wenig später noch ein weiterer großer Kummer – am 1. August 1946 ertrank der elfjährige Gottlieb in einem Flüßchen.
Im Februar 1956 geschah ein lang ersehntes Ereignis – die Abschaffung der Meldepflicht in der Sonderkommandantur für alle Wolgadeutschen. Aber man erlaubte ihnen nicht nach Hause zu fahren. 1961 beschließt die Familie Christ nach Kasachstan umzuziehen, wohin die Verwandten sie eingeladen haben. Und nur Heinrich, den man zu jener Zeit nach russischem Brauch in Andrej umbenannt hatte, blieb auf ulujsker Boden zurück.
In fremder Umgebung, in dem Dorf Michajlowka, das im Dschambulsker Gebiet liegt, starb 1968 Amalie, die damals gerade das 41. Lebensjahr vollendet hatte. Am 31. Oktober 1977 verschied David Friedrichowitsch und am 7. Mai 1980 Emilie Genrichowna. Jetzt sind nur noch Emma und Friedrich am Leben, die beiden jüngsten Mitglieder der Familie Christ. Beide leben in Deutschland. Emma hat für Andrej bereits alle Formalitäten für die Einladung erledigt, und er trifft Vorbereitungen, innerhalb des nächsten halben Jahres nach Deutschland zu reisen.
W. Uskow
Auf dem Foto: David Friedrichowitsch Christ während der Verbannung, als er in dem Dorf Baschenowka lebte. Die Aufnahme datiert vom 20. März 1951.
Das Foto stammt aus dem Archiv der Behörde für innere Angelegenheiten der Regionsverwaltung.
"Nachrichten", N° 20 (6438), 17.02.1998
Valentina Iwanowna Altergot:
«Erinnerungen an meine Eltern und meine Kindheit». Iwan Davidowitsch Altergot und Emma Adamowna.
Der Vater, Iwan Davidowitsch Altergot, geb. 1912, lebte vor dem Krieg im Gebiet saratow, Ortschaft Schwed. Als der Krieg ausbrach, deportierten sie ihn nach Sibirien, in den Kansker Bezirk, Region Krasnojarsk. Er arbeitete bis Kriegsende in der Trudarmee beim Holzeinschlag.
Meine Mutter, Emma Adamowna Altergot, geb. 1921, lebte bis zum Krieg im Gebiet Saratow, Ortschaft Kano; sie wurde ebenfalls während des Krieges nach Sibirien, in die Region Krasnojarsk, verschleppt, wo sie in der Trudarmee arbeiten musste; dort lernte sie auch meinen Vater kennen und heiratete ihn.
In unserer Familie gab es fünf Kinder. Nach dem Krieg arbeiteten die Eltern in einer Kolchose, der Vater als Traktorfahrer, die Mutter als Kälberhirtin. Wir lebten in ärmlichen Verhältnissen. Erst jetzt, nachdem viel Zeit verstrichen ist, habe ich begriffen, wie sehr meine Eltern sich geliebt haben müssen, wie sehr sie jeden erlebten Tag schätzten, wie sehr sich abmühten, damit wir Schuhwerk hatten, satt wurden, wie die Mama nachts Brot buk, Brötchen, uns Kleidung nähte, Strümpfe strickte, während Papa Filzstiefel zusammennähte, Schuhe reparierte. Ich bin ihnen so dankbar für alles, was sie für uns getan haben.
Meine Kindheit verlief in Krasnoturansk. Ich erinnere mich, wie wir in der kleinen Hütte lebten; fünf Kinder waren wir, und wir schliefen auf einem russischen Ofen. Im Frühjahr sah es mit Schuhen schlecht aus – mein Bruder und ich besaßen ein paar Schnürschuhe, die wir uns teilen mussten. Im Sommer liefen wir barfuß herum. Als ich in die Schule ging, beneidete ich immer die Mädchen, die gut gekleidet waren. Ich wollte das auch, aber wir hatten die Möglichkeit nicht. Nachdem ich die achte Klasse absolviert hatte, schickte Papa mich vond er Sowchose zur Ausbildung an die Minussinsker Buchhalter-Schule. Später begann das Erwachsenen-Leben, ich beendete das Technikum, arbeitete 40 Jahre als Buchhalterin, heiratete, wir haben zwei tolle Söhne und, wie ich es erträumt hatte, zwei Enkelkinder.
https://memorial.krsk.ru/memuar/K/KPKrasnoturansk/28.jpg ,
https://memorial.krsk.ru/deu/Dokument/Memuar/KPKrasnoturansk/08.htm
Amalia Sutschkowa aus dem Dorf Sutschkowo
Als Amalia Altergot zum ersten Mal sibirischen Boden betrat, war sie ein Sprößling von gerade einmal vier Jahren. Die Heimat der Familie Altergot – das Dorf Leninskoje. Bezirk engels, Gebiet Saratow, RSFSR. Im Jahre 1941, mit Beginn des Großen Vaterländischen Krieges, wurden die Wolgadeutschen mittels einer Sondermaßnahme aus dem Zentrum Rußlands ausgesiedelt. Nach Kasachstan, nach Sibirien ...
Somit wurde Amalia Genrichowna (Heinrichowna) Sutschkowa, geborene Altergot, das Dörfchen Nowonikolsk zur zweiten Heimat. Hierhin wurde die elterliche Familie verschleppt und gezwungen sich einzuleben.
In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts "schallte" der Name der Frau, über die ich hier berichte, durch den ganzen Bezirk. Die Ehrentafeln und Ausstellungsstände der Sieger des sozialistischen Wettbewerbs – diese Galerien von Schwarzweiß-Fotos, auf denen auch Amalia Genrichownas Gesicht als Sinnbild selbstaufopfernder Arbeit zu sehen war – flößten den Menschen ein gehöriges Maß an Achtung gegenüber ihren Landsleuten ein.
In meinem Häuschen ist es hell, warm ...
In der Nischnoe- Sutschkowo-Straße, wie die Dorfbewohner sie nennen, trafen wir nach dem Mittagessen ein. Wir hatten uns vorher nicht mit Amalia Genrichowna verabredet. Aber, wie immer bei guten Menschen, empfing sie uns mit aller Herzlichkeit. Die Hausherrin begriff sofort, weshalb die Korrespondenten sie besuchen wollten. Früher war das eine Sache der Gewohnheit gewesen. In der Bezirkszeitung "Roter Stern" hatten sie oft über die bekannte Melkerin der "Simonowskij"-Sowchose geschrieben.
Ich hatte mir einige Fragen für meine Gesprächspartnerin zurechtgelegt. Aber ich nahm davon Abstand soe zu stellen, nachdem sie ihren ersten Satz hervorgebracht hatte. Ihr Ehemann – Michail Iwanowitsch, mit dem Amailia Genrichowna wie ein Herz und eine Seele siebenundvierzig Jahre zusammengelebt hatte, war am Vorabend mit einer komplizierten Diagnose in eine der Nowosibirsker Kliniken eingeliefert worden. Und vom Beginn unseres Gespräches an, bis hin zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns verabschiedeten, sprach sie nur von ihm, von ihm, von ihm ...
- Also wie haben Sie Michail Iwanowitsch denn kennengelernt, liebe Amalia Genrichowna?
- Auf der Hochzeit meiner Freundin! Sie heiratete, und ich zählte zu ihrem Freundeskreis, und der Bräutigam war mit Michail Iwanowitsch befreundet. Wir sahen einander an, und das war's ... Wir verliebten uns ineinander. EIn für allemal.
- Das heiß also, es gibt die Liebe auf den ersten Blick?
- Natürlich, mein Herzchen! Die wahre Liebe soll auch genau so sein. Nur lebten wir anfangs unter schwierigsten Umständen. Michail Iwanowitschs Eltern mochten mich nicht. Sogar wegen eines kleinen Stückchens Brot machten sie mir Vorwürfe. Denn für sie war ich eine Tochter des deutschen Volkes. Eine Feindin war ich. Besonders mein Schwiegervater konnte mich nicht ausstehen. Er war als Krüppel aus dem Krieg zurückgekehrt - ohne Beine. Und auch daran gab er mir die Schuld.
Mischa und ich fingen an dieses Haus hier zu bauen. Und nun wohnen wir schon beinahe ein halbes Jahrhundert darin. Wir haben sehr gute Kinder. Zwei Söhne und zwei Töchter. Sie leben alle in der Stadt: die Töchter in Krasnojarsk, die Söhne in Kemerowo und Nowosibirsk. Unser ältester Sohn war es auch, der Michail Iwanowitsch im Krankenhaus untergebracht hat. Er hat selbst eine Menge Geld dafür bezahlt. Unsere Kinder sind sehr fleißig und haben große Achtung vor uns. Sie lieben uns. Von früh bis spät
- Und wann haben Sie angefangen zu arbeiten?
- Mein liebes Kind, mit vierzehn Jahren habe ich beim Kühemelken in Nowonikolskoje schon voll gearbeitet! Ich habe sowohl als Kälberhirtin – das war schon, als ich mit Michail zusammen in Sutschkowo lebte -, aber auch in Brigaden gearbeitet. Das heißt, ich habe verschiedene Hilfsarbeiten erledigt. Und dann bin ich auf die Farm gekommen und habe ganz selbständig gearbeitet, als ich meine eigene Gruppe Kühe hatte. Zweiundzwanzig Jahre lang habe ich meine "Grau-Braunen" gemolken. In der ersten zeit wußten wir Melkerinnen überhaupt nicht, was Urlaub eigentlich ist. Später, als sie dann die Kolchose in eine Sowchose umbenannten, bekamen wir für unsere Arbeit auch Urlaub zugesprochen. In der Gruppe waren immer 30-33 Milchkühe. Solange es keine melkmaschine gab, mußten wir mit den Händen melken, aber später wurde es dann leichter. Als die Milch mit Elektrizität zu fließen begann ... da war das toll auf der Farm! Eine feine Sache. Es schien, als ob alles leichter und einfacher war. Aber als Melkerin arbeiten – das ist schwer. Besonders das morgendliche Aufwachen und der Gang zum Melken am frühen Morgen. Und das jeden Tag: morgens melken, abends melken, das Haus, vier Kinder, Kühe, Ferkel, Schafe, Hühner – das hatten wir alles auf unserem Bauernhof ... Ach, wie schwer war das! Aber wir hatten auch viel Freude. Die Kinder wuchsen heran, und die Liebe zwischen Michail Iwanowitsch und mir festigte sich noch mehr.
Der ältesten Tochter widerfuhr eine Menge Leid. Sie ließ ihr winziges Kind allein in der Wiege liegen. Frühmorgens rannte sie zum Melken, danach lief sie im Laufschritt nach Hause zurück, erledigte dort die ganze Hausarbeit, und gegen Abend - noch einmal zur Farm. Michail Iwanowitsch war der Chauffeur. Und im Herbst und Frühjahr holten sie ihn zur Arbeit auf dem Mähdrescher. Mein Mann gehörte auch zu den anerkannten Mähdrescherfahrern.
- Gab es unter all diesen alltäglichen Dingen, denn auch Feiertage für Sie, Amalia Genrichowna?
- Und ob! Mir hat trotzdem das althergebrachte Leben besser gefallen. Wieviel haben die jungen Leute in den Kolchosen und Sowchosen gearbeitet. Und was ist jetzt? Drogensucht und Alkoholismus. Das ist schrecklich. Für alle ist es schrecklich. Was kommt da noch alles auf uns zu?
Und für mich gab es einen großen Festtag im Herzen, als ich nach Moskau fuhr. Als Bestarbeiterin auf dem Gebiet der Tierzucht. Moskau hat mir damals gut gefallen. Alles so schön. Sie brachten uns im Hotel "Goldene Ähre" unter. Und dann haben sie mit uns alle möglichen Rundfahrten und Exkursionen unternommen – zur Ausstellung über die Errungenschaften der Volkswirtschaft, zum Mausoleum, und in der Rüstkammer waren wir auch. Und an vielen anderen Orten. Die ganze Woche, die wir in Moskau verbrachten, war für mich wie ein Festtag. Ich hatte Geld gespart. Und als ich wieder zuhause ankam, da kaufte ich sofort einen Kühlschrank der Marke "Birjussa" auf Kredit. Das war 1978, und das Kühlschränkchen funktioniert heute noch. Aus Moskau brachte ich den Kindern Schokoladen-Bonbons mit: "Belotschka" ("Eichhörnchen"; Anm. d. Übers.) und "Mischka na severe" ("Das Bärchen Mischka im Norden"; Anm. d. Übers.). Für alle teilten sie kleine Häufchen ein, und Vater und ich bekamen auch fünf Stück; Lena war die allerkleinste – sie konnte noch keine Bonbons essen. Und der ältesten Tochter habe ich auch noch ein Kleid aus der Hauptstadt mitgebracht.
In Moskau waren wir im Frühling. Und da ist mir trotzdem etwas ziemlich Negatives aufgefallen: die Stiefelchen waren vom Salz ganz zerfressen. Und dabei hatte ich sie erst neu gekauft, und sie waren nicht einfach zu beschaffen gewesen; schwer hatte ich jede Kopeke dafür erarbeitet. Ach, hat mir das um die schönen Stiefelchen leid getan ...
- Amalia Genrichowna, wenn Sie Rußlands Präsidenten begegnen würden, was würden Sie ihm dann wohl sagen?
- Daß ich mir um die Jugend Sorgen mache. Die jungen Leute sollen arbeiten. Wir haben auch keine Drogen genommen und sind betrunken herumgelaufen. Das würde ich ihm sagen. Ich habe vier Kinder, und sie arbeiten alle. Und zum Thema "Rente" würde ich ihm auch noch was sagen. Wieviel haben Michail Iwanowitsch und ich gearbeitet, und zusammen haben wir jetzt nur ungefähr dreitausend (Rubel; Anm. d. Übers.). Das sind für jeden eintausendfünfhundert – ist das vielleicht viel? Allerdings bekomme ich als Repressionsopfer hundert Rubel zusätzlich. Hundert "deutsche" ...
Wir können das Haus nicht rechtskräftig auf unseren namen eintragen lassen. Wieviel kostet der ganze Papierkram dafür? Teuer ist das – sehr, sehr teuer für Rentner, wie wir es sind. Es will mir nicht in den Kopf hinein, warum wir das Haus, was wir mit so viel Mühe gebaut haben, vom Staat kaufen sollen? Wer hat sich das ausgedacht? Das Leben wie es ist:
- Heben Sie sich niemals von den Russen beleidigt oder gekränkt gefühlt, daß damals durch den Willen der Staatsmächte Ihr heimisches Nest zerstört wurde?
- Wo denken Sie hin? Mit Russen bin ich groß geworden. Und ich habe nur Gutes von ihnen gehabt. Die anderen kenne ich nicht. Und ich will sie auch nicht kennenlernen. Auch an Sibirien habe ich mich gewöhnt. An was in meiner Heimat könnte ich mich heute noch erinnern? Ich war doch damals noch nicht einmal vier Jahre alt! Nein, ich bin auf niemanden böse. Ich kann auch kein Deutsch. Aber verstehen tue ich es schon. Meine älteste Schwester spricht Deutsch, aber ich nicht.
- Amalia Genrichowna, wenn Sie in Ihrer Jugend vor die Wahl gestellt worden wären: lieber in der Stadt zu leben und einen anderen Beruf zu haben ...
- Ja, damals hat die Kolchose keine Ausweise ausgestellt. Wo hätte ich denn ohne Papiere hingehen sollen? Na ja ... wenn ich mir vorstelle ... Ich hätte nichts anders gemacht. Das wäre ja ein ganz anderes Leben gewesen, ein ganz anderer Mensch.
N. Stefanenko "Nachrichten", N° 41 (1759), 08.10.2005
https://memorial.krsk.ru/deu/Dokument/Publik/20051008.htm
Куфельд Эдуард Давидович р. 1923 строитель:
1923. – Родился в селе Швед в республике Немцев Поволжья в крестьянской семье. Отец – Давид Александрович Куфельд.
1931. – Отец сдает в колхоз скот и сельскохозяйственную утварь, но в колхоз не вступает, а переезжает с семьей в г. Энгельс, где поступает на курсы дорожных мастеров.
1941, начало лета. – Окончание Эдуардом десятилетки. Планы на поступление в автодорожный институт спутала война. Работа на уборке урожая в родном селе.
1941, сентябрь. – Погрузка немцев Поволжья в эшелон. Долгая и трудная дорога, есть в пути не давали ничего.
1941, октябрь. – Прибытие эшелона на станцию Ужур в Красноярском крае, семья Куфельд направлена в бедный таежный колхоз.
1942, конец зимы. – Мобилизация Э.Д. по повестке военкомата в трудармию. Долгий ж-д этап, во время которого почти не кормили. Голод в последние пять дней дороги.
1942, весна. – Прибытие эшелона в Кировскую область, в зону Вятлага. Вышки, охранники, холодные бараки, пустая похлебка и изнуряющий труд на лесоповале. Перевод Э.Д. два раза в другие зоны из-за того, что почти все трудармейцы вымирали в предыдущей зоне. Два раза как «доходяга» попадал в отдел профилактической помощи (ОПП), где от всех болезней была только разведенная марганцовка. Э.Д. назначается раздатчиком похлебки и каши лежачим больным. Назначение как самого грамотного ответственным за выпуск стенной газеты в ОПП.
1942, осень.– Мобилизация отца, Давида Александровича Кфельда, в трудармию на станцию Турьинские Рудники, в Богословлаг. Смерть тысячами трудармейцев немецкой национальности. Работа отца на пошиве рукавиц и другой рабочей одежды.
1943. – Переселение матери с маленькими дочерьми на Енисей на лов рыбы.
1945, лето. – Направление в Челябинскую область на вечное поселение. Заболевание туберкулезом. Необходимость постоянного учета в комендатуре.
1945. – Хлопоты отца по воссоединению семьи. В Краснотурьинск к отцу приезжают сын, а также мать с дочерьми. Работа в системе «Жилстроя».
1983. – Выход на пенсию, переход на работу в мастерскую медтехники центральной городской больницы Краснотурьинска.
2003. – Восьмидесятилетие.
Журналист Наталья Паэгле записывает воспоминания Эдуарда Давидовича Куфельда.
https://vgulage.name/authors/kufeld-jeduard-davidovich/
Buch 2024 Saratow Книга Саратов Kanton Marxstadt der ASSRdWD 1925-1928 lesen kostenlos online: https://bibliothek.rusdeutsch.ru/catalog/7073
Über Schwed von Seite 206 bis 218 /242 lesen in 2 Sprachen.
VII. Teil
Regierungsorgane und gesellschaftliche Organisationen.Dorfrat besteht aus 19 Mitgliedern, darunter 2 Frauen. Die landwirtschaftliche Kreditgenossenschaft besteht aus 86 Mitgliedern.Bauern Hilfskomitee — Mitgliederzahl: 303 Schwed
Den 20. April 1928. Leiter der Schweder Schule Adelheid Helen Streube.

СОЦИАЛИСТИЧЕСКОЕ ЗЕМЛЕДЕЛИЕ
Орган Наркомзема СССР и Наркомсовхозов СССР 24 августа 1941 г. № 102 (3610)
Фото Б. Федосеева. (Фотохроника ТАСС).
Крестьяне села Швед, Красноярского кантона, Республики немцев Поволжья, обратились с письмом к германскому крестьянству, в котором призывали германских крестьян помочь уничтожить фашизм, бороться за свою свободу и счастливую жизнь. Колхозники села Швед самоотверженной работой на полях помогают доблестной Красной Армии громить врага. На снимках: вверху - красный обоз колхозов села Швед "Нейе Баан" и имени Буденного с хлебом нового урожая для сдачи государству. Внизу (слева направо) - агитатор Генрих Боргард в обеденный перерыв читает колхозникам сообщение Советского Информбюро; Ирма Лореш, овладевшая специальностью комбайнера, за работой у штурвала; одна из электронасосных установок колхоза имени Буденного, орошающая 21 гектар огородов.
https://wolgadeutsche.net/library/item/411
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Большевик, № 183, .... от 6 августа -21.08.1941 г.
№ 47 10 сентября 1941
(Передовая газеты «Правда» от сентября).
Бригада вязальщиц снопов колхоза «Нейе Баан» (село Швед) направляется
Все трудящиеся района работали на воскреснике молодежи
Все для победы + Bild?
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А социально-классовое об'яснение?
Как кулацко-буржуазные, антигосударственные тенденции.
Н. ИЗГОЕВ
В сусеках, амбарах, вохрой выкрашенных ларях еще полно прошлогодней муки и к прошлогодней пшенице подмешан ржаной хлеб нового урокая, выпекаемый для общественного питания на полях.
Видишь - говорит Богдан Гоппе (фамилию Гоппе здесь носить население половины села), еще старого хлеба порядком. Раньше бедняку до нового урожая нахватало хлеба никогда, середняку не всегда. Эти месяцы перед уборкой были самыми трудными всю мою жизнь. Пять братьев с отцом и две женщины = восьмером мы жили. Приходилось работать исполу на кулаков. Новый хлеб стоял на поле, есть его было нельзя. Мы сидели по уши в долгах Теперь колхоз весной и летом кормил нас из общественных фондов трижды в день вареной пищей, выдавал хлеб. Все, кто работал, были спокойны.
Гоппе, счетовод колхоза «Нейбау», совсем не стар, ему 45 лет. Но он лучше иных стариков знает историю каждого односельчанина. Он знает счет хозяйству каждого и, занятый своей работой круглый день, он успевает знать все новости колхоза. Богдан Гоппе - общительный человек, он все знает, все тонкости политики. Ходы дипломатов: имена государственных деятелей он произносит, как имена своих однодворцев. Он расскажет, кто, когда уезжал из села Швед куда и почему уезжал, что делает. Он рассказывает о батраках до революции пробиравшихся в Америку. Он знает все страшные, все диковинные и смешные истории, когда-либо происходившие в селе. Он точно знает, кто и откуда выбрал невесту.
Слушайте. Богдан, а сколько людей ушло из колхоза за последний год?
- Ни одного - говорит Гоппе, показывая книги реестров. К нам приезжали вербовщики, звали на разные строительства, никто никуда не двинулся с места. Сами понимаете, крестьянин уходит, когда ему плохо, зачем же нам двигаться из колхоза? Наоборот у нас все время прибыль, осенью будет неплохой урожай детей. ........... https://lmy.de/gEgRw
*
О. ГОТЛИБ.
МЫ ОХОТНО МОГЛИ БЫ ДАТЬ РАБОТУ РАЗОРЕННЫМ ТРУДЯЩИМСЯ КРЕСТЬЯНАМ ГЕРМАНИИ
Мы, колхозники колхоза «Новый танные трудодни. По нашему расчету путь», села Швед Марксштадтского выходит, что распределим на трудодень кантона Немреспублики, находимся в по 5 кило зерновых. 886 гектаров ржu. Уборку пшеницы ков, имеющих 150-200 трудодней, окончим в 5 дней.
Мы, немецкие крестьяне Республики немцев Поволжья, в нынешнем году особенно усердно работаем на колхозных полях. Сев провели лучше, чем в прошлые годы, отчего урожайность в этом году будет гораздо выше. Мы получим хорошие результаты своего труда.
самом в разгаре уборки хлебов. Убрали Среди нас теперь уже много ударник. После уборки они будут иметь 300. Чем больше трудодней, тем больше получат колхозники центнеров хлеба. Но это только касается зерновых, у нас же имеются немалые посевы бахчевых культур, имеются свои собственные огородные посевы. С колхозных посевов мы получим много овощей, картофеля и т. д. Помимо того, от продажи своих колхозных продуктов мы выручим большие деньги. У нас имеются подсобные предприятия, дающие колхозу большой доход.
Мы глубоко возмущены наглой клеветой германских фашистов на наши колхозы. Нас конечно эта клевета не введет в заблуждение. Мы, под руководством нашей большевистской партии и нашего любимого вождя тов. Сталина, одерживаем на колхозном пути победу за победой.
Мы хотим показать трудящимся Германии, являющимся нашими братьями, терпящим иго капиталистов помещиков и кулаков, подлинную картину нашего положения, наши трудности и наши перспективы на будущее время.
Наш колхоз засеял осенью 866 га ржи. Весной текущего года мы обработали 2.271 га, из них одной только пшеницы 1.450 га. В нашем селе 350 хозяйств. На одно хозяйство, следовательно, приходится около 9 га посева, Кроме того, каждый колхозник имeет в среднем 1 га овощей, так что на каждое хозяйство приходится 10 га. До коллективизации немногие из нас имели такой посев. Многие вовсе не имели никакого посева. Коллективизация, следовательно, превратила прежних безземельных крестьян в колхозников, имеющих большую площадь земли и достаточно орудий производства. Урожай в этом году будет немалый, несмотря на неблагоприятную погоду.
Во время уборки и после нее мы прежде всего выполним обязательства перед пролетарским государством. ........... https://lmy.de/mPcLA
Гоппе Александр:
Другой старший брат Гейнрих (1898г.р.)окончил Марксштатскую гимназию и как Lehrer und Schuhlmeistr был направлен работать на Кубань. В1921г.начинался голод. Чтобы помочь своему отцу прокормить и спасти семью, Гейнрих забирает с собой на Кубань двух младших братьев обещая когда кончится голод вернуться назад с лошадью и повозкой. Но судьба распорядилась иначе. Жарким летним днём 1922г. он хоронил полуразложившийся труп человека найденного на обочине дороги. Заразился и черeз три дня помер. Давид 16 и Иоганес 9лет вернулись домой осенью 1922г. голодные, оборванные без лошади и повозки. Отцу тогда было 6 лет и он вместе со взрослыми работал в поле. И вот, когда вернулись старшие братья, отец к великой его радости был освобождён от полевых работ и наслаждался свободой. Брат отца Карл имел высшее образование. В1935г. он закончил восьмилетнее обучение в высшем сельскохозяйственном учебном заведении и в последствии работал преподавателем Гуссенбахского сельхозтехникума.В августе 1941г. он с группой студентов находился на практике, сельхозработах. Дети вернулись одни и куда пропал их учитель никто не мог внятно обьяснить. Пропал безвести!
Re: Колония Швед и её жители
Сообщение San Sanych52 » 24 май 2014, 10:21
Отец постоянно писал запросы на розыск своего отца и братьев.Но всегда получал ответ.ПРОПАЛИ БЕЗВЕСТИ. Всё прояснилось после перестройки.Пришли ответы вместе с реабилитацией.
А тогда в 37-ом. отец учился в медицинском.Неожиданно он был отчислен и исключён из комсомола.Он не мог толком понять что случилось.Когда вернулся домой, всё стало ясно.В дальнейшем он окончил рабфак и работал сельским учителем.Шутил:сыну врага народа людей лечить нельзя а учить можно.Последнее место работы на Волге в колонии Гнадендорф Мариентальского кантона.Там он познакомился с мамой:Гартманн Екатериной Юлиусовной.Она тоже работала сельской учительницей и была тоже дочерью" врага народа"Гартманн Юлиуса Петровичa,из раскулаченных из соседнего Розенфелд.Они поженились в 1939,а в 40-ом родилась моя старшая сестра Эрика.В августе 41-го их депортировали в Казахстан,Кустанайскую обл.Оттуда уже отца забрали в трудармию в Златоуст. Ещё один старший брат отца Иван (Johanes) и младшая сестра Эмма тоже работали учителями в сельских школах Поволжья.После департации и трудармии они и в Казахстане работали некоторое время учителями.Иван женился в 1938г.После трудармии женился второй раз.Жену звали Емилия,но ни от первого и второго брака детей у него небыло.Семью Готлиба,репрессированного в 37-ом,выселили в 41-ом в Красноярский край.А семья Давидa, и с ними наша бабушка,попали на Алтайский край.Давида взяли в трудармию,тaм он вскоре и и умер.
Это,так сказать,факты.Учтём ещё то что отцу было 88 когда это было записано.А теперь домыслы:Почему отец не помнит и не знает своих родственников по отцовской и материнской линии?Его отец родился в1870г.Это как раз совпадает с началом русификации колоний,т.е.колонисты отвергали всё русское,варились в своём"соку",обучение велось только в церковных школах.Тогда были созданы интернаты в которые набирались мальчики из многодетных бедных семей и дети сироты.Они получали хорошее русско-немецкое образование.Из них готовили писарей умеющих вести делопроизводство на русском и немецком языках,что значительно облегчало руководство колониями. Так видимо его отец ребёнком был надолго оторван от семьи,если она у него была.Когда вернулся в Швед уже взрослым на должность писаря,семья может умерла или иммигрировала.Что касается матери отца,Вигель Тимбет(вероятно было ещё одно имя).Она якобы была из богатой семьи.Вышла замуж за деда против воли своих родителей.Что там,бедный писаришко,ни дома(до 1924г. они жили в государственном доме) ни хозяйства.Её лишили наследства и отлучили от семьи.Беря её в жёны,дед обещал бабушке что он сделает всё чтобы ни она ни их дети ни в чём не нуждались.Что он и старался сделать.Все их дети получили хорошее образование с педагогическим, так сказать, уклоном.Отлично владели русским языком.
Уважаемая Диана.У Вас на плане колонии Швед есть запись: в этом доме жил секретарь сельского совета тов.Гоппе.Возможно это и был старший брат отца Готлиб.В 1919 г.вернувшись из армии(скорей всего уже красной) он сменил своего отца в должности писаря.Писаря обычно и становились секретарями. Где-то же он должен был сделелать карьеру,потому что репрессирован в 37-ом он был в должности секретаря кантональной прокуратуры
Теперь,Диана, о письме Ивану Гоппе,работавшему учителем в колониях Поволжья перед выселением.Теоретически это мог быть старший брат отца Johanes(Иван) 1913г.р.По-моему и в трудармии он был кажется в Кировской обл.Детей у него небыло.Вообще так сложилась судьба что из семерых братьев Гоппе только отец Александр Гоппе является продолжателем носителей нашей фамилии.Зато у нас троих братьев одни сыновья,дочерей нет.Род продолжается,возвратившись снова в Германию.
https://forum.wolgadeutsche.net/viewtopic.php?t=4390&start=80
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Aus USA SMI :
Meine Eltern wurden in Schwed, Bezirk Saratow an der Wolga, geboren. Schwed war ihr Zuhause, hier hatten ihre Eltern und Großeltern gelebt. Es war ein wunderschönes Dorf mit fleißigen und glücklichen Bewohnern. Doch das Glück der Schweder währte nicht lange.
Ab September 1941 mussten meine Eltern in ein anderes Land, nach Sibirien. Aus meiner Erinnerung weiß ich, dass dies eine schwere Zeit für meine Eltern war. Die Schweder hatten kaum Zeit, die nötigen Dinge zu packen. Viele brachten keine persönlichen Papiere mit. Meine Eltern gehörten zu den Letzten, die Schwed verließen und das Dorf schien ausgestorben zu sein. Nur das hungrige Vieh (Kühe, Schweine, Schafe) schrie.
Die Menschen wurden in Viehwaggons nach Sibirien transportiert. Meine Mutter war in den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft (bei mir) und hat viel erlebt. Aber das war erst der Anfang des Leidens.
Im Dezember 1941 wurde mein Vater zur Trudarmee (Arbeiterarmee) geschickt. Die Behörden wollten sogar meine Mutter dazu zwingen. Allerdings gibt es überall gute Menschen: Eine Vertreterin der Behörden wies darauf hin, dass sie ein kleines Kind (ich) hatte. Laut Gesetz mussten Mütter keinen Dienst in der Trudarmee leisten, wenn ihr Kind noch nicht drei Jahre alt war. Nicht jeder achtete auf die Gesetze.
Die Schwiegermutter meiner Mutter war ebenfalls verpflichtet, bei Trudarmee zu arbeiten. So blieb meine Mutter bei mir an einem fremden Ort, unter ungewohnten Menschen. Die Behörden erlaubten ihr, zu ihren Verwandten zu ziehen. Die Schwestern meiner Mutter lebten mit ihren Kindern etwa 150 Kilometer entfernt (von uns).
Bis zum Frühjahr 1943 machte sich meine Mutter alleine auf den Weg. Sie ging zu Fuß und trug mich auf ihrem Arm. Es dauerte etwa eine Woche, um den Verwandten zu erreichen. Es war kalt und meine Mutter war sehr müde. Ihr kam der Gedanke, Selbstmord zu begehen. Sie brachte mich zu einer Brücke, um hinunterzuspringen. Ein seltsamer Mann hat diese Katastrophe verhindert.
Die Ehemänner der Schwestern meiner Mutter waren ebenfalls im Trudarmee. Einer von ihnen starb in Trudarmee, der andere wurde kurz vor dem Tod nach Hause entlassen. Meine Cousins verstanden nicht, was geschah.
Wir waren 11 Personen (3 Erwachsene, 8 Kinder) in einem Zimmer. Die Mütter arbeiteten Tag und Nacht in der Kolchose/Kolchose. Oft froren wir und waren halb hungrig. Ich erinnere mich, dass im Winter oft Schnee auf meiner Decke lag (mein Bett stand direkt neben dem Fenster).
Mein Vater hatte Glück und kam 1947 aus Trudarmee nach Hause (zu uns). Natürlich erkannte ich ihn nicht und dachte, er sei ein Fremder.
Von 1941 bis 1956 standen wir unter der Aufsicht des Kommandanten. Wir lebten noch in Sibirien.
Mitte der 1970er Jahre konnten die Russlanddeutschen in ihre alte Heimat an der Wolga zurückkehren. Die Dörfer haben keine deutschen Namen mehr. Schwed heißt jetzt Leninskoje.
Meine Eltern und Großeltern haben viel gelitten. Ich habe ihren Optimismus immer bewundert. Zu meiner Zeit gab es viele positive Veränderungen in der sowjetischen Gesellschaft. Die Russlanddeutschen haben im Vergleich zur Kriegszeit wesentlich mehr Rechte. Nicht jeder soziale Status ist für Russlanddeutsche erreichbar. Moralische Unzufriedenheit, Desillusionierungen – diese Gefühle kennen Aussiedler und beschreiben (viele) auch in Deutschland. Oft werden wir von der einheimischen Bevölkerung nicht akzeptiert, gleichzeitig spielen Stereotypen eine große Rolle. Oft werden wir in Deutschland Russen genannt, obwohl wir in Russland zu den Deutschen gehörten. L.B.H. / 1997
Diese Krämer-Familie wanderte zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Russland in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich wahrscheinlich in der Gegend von Chicago nieder. Können Sie sie identifizieren? Contact Cgorr@aol.com Bild Foto:
https://web.archive.org/web/20050312195240im_/https://hometown.aol.com/cgorr3/store/photo/kramer.gif
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PS:15.02.2026 **
